Equines Asthma läuft in fünf Stadien ab, von gelegentlichem Husten bis zu angestrengter Atmung in Ruhe. Die Stadien 3 bis 5 heißen mildes, mittelschweres und schweres equines Asthma. Der Wechsel in ein neues Stadium kündigt sich nicht an, und viele Besitzerinnen ordnen ihr Pferd eine Stufe zu früh ein.
Das Wichtigste in Kürze
- Equines Asthma verläuft in fünf Stadien: erste Symptome, bleibender Husten, mildes, mittelschweres und schweres equines Asthma.
- Halten die Symptome eines Pferdes länger als drei Wochen an, spricht man von Chronizität.
- Für die Einordnung zählt das am weitesten hinten liegende Stadium, in dem mindestens zwei Aussagen auf dein Pferd zutreffen.
- Weil die Pferdelunge eine große Reserve hat, fallen die frühen Stadien von equinem Asthma oft erst spät auf.
- Auch schweres equines Asthma, früher Dämpfigkeit genannt, ist nach Sandras Erfahrung aus der Reha keine Endstation.
Welche fünf Stadien hat equines Asthma?
Equines Asthma hat fünf Stadien, die ein Pferd nacheinander durchlaufen kann. Sandra beschreibt den Verlauf als eine Reise durch die Schweregrade, die schon mit der Entstehung beginnt.
| Stadium | Woran du es erkennst |
|---|---|
| 1: Erste Symptome | gelegentlicher Husten beim Antraben oder Fressen, seit weniger als drei Wochen |
| 2: Der Husten bleibt | Symptome seit mehr als drei Wochen, der Husten kommt nach ruhigen Phasen zurück |
| 3: Mildes equines Asthma | Husten seit Monaten oder Jahren, vor allem beim Antraben, in Ruhe unauffällige Atmung |
| 4: Mittelschweres equines Asthma | Hustenanfälle, schnellere oder schwerere Atmung, längere Erholung nach Belastung |
| 5: Schweres equines Asthma | deutliche Atembeschwerden bis zur Atemnot, pumpende oder pressende Atmung, Dampfrinne |
Stadium 1: Erste Symptome
Dein Pferd hustet gelegentlich, oft beim Antraben oder beim Fressen, und vielleicht kommt ab und zu etwas Nasenausfluss dazu. Zwischen solchen Episoden können Wochen liegen, in denen gar nichts ist, und aufgefallen sind dir die Symptome seit weniger als drei Wochen.
Stadium 2: Der Husten bleibt
Der Husten ist inzwischen verlässlich da, bleibt seit mehr als drei Wochen und kommt nach einer ruhigen Phase wieder zurück.
Die Drei-Wochen-Grenze ist der eigentliche Einschnitt, denn nach drei Wochen andauernder Symptome sprechen wir nicht mehr von akuten Symptomen. Der Fachbegriff heißt Chronizität, und genau diesen Übergang möchtest du am liebsten vermeiden.
Stadium 3: Mildes equines Asthma
Der Husten begleitet euch seit Monaten oder sogar Jahren. Du hörst den Husten vor allem beim Antraben, danach ist wieder Ruhe, und in Ruhe sieht die Atmung unauffällig aus.
„Wenn dein Pferd so nett ist, dir in dieser Phase immer mal wieder Husten oder mal Nasenausfluss zu zeigen, dann ist das eigentlich super“, sagt Sandra. Denn dann kannst du früh handeln und die Angelegenheit in den Griff bekommen, bevor langfristige Schäden entstehen.
Und weißt du, wo der Haken liegt? Viele Pferdebesitzerinnen stören sich an etwas Husten beim Antraben nicht und gewöhnen sich mit der Zeit an den Husten.
Stadium 4: Mittelschweres equines Asthma
Jetzt werden die Symptome deutlicher, und es können Hustenanfälle und Beeinträchtigungen der Atmung auftreten. Vielleicht atmet dein Pferd mal schneller, tut sich schwerer beim Atmen oder braucht länger, um sich nach der Belastung wieder zu erholen.
Stadium 5: Schweres equines Asthma, früher Dämpfigkeit
Pferde in Stadium 5 haben deutliche Beschwerden mit der Atmung, können richtige Atemnot haben und anfallsartige Verschlechterungen erleben.
Wenn wir von einem dämpfigen Pferd hören, haben wir gleich ein bestimmtes Bild vor Augen. Ein Pferd, dem es gar nicht gut geht und das pumpend oder pressend atmet, weil es schlecht Luft bekommt.
Oft hört man Atemgeräusche, vielleicht hustet das Pferd auch, und die Nüstern sind vor lauter Anstrengung geweitet.
Vielleicht kennst du auch den Begriff der Dampfrinne. Sind die Atemwege stark verengt, muss das Pferd die Luft mit der Bauchmuskulatur herauspressen. Mit der Zeit formt diese Muskulatur eine Wölbung, und die optische Rinne entlang des Bauchs heißt Dampfrinne.
Heute ist der Begriff Dämpfigkeit nicht mehr ganz aktuell und wird meist durch schweres equines Asthma ersetzt. Auch die früheren Abkürzungen IAD, RAO, COPD und COB sind durch die neue Bezeichnung abgelöst.
Wie erkennst du, in welchem Stadium dein Pferd steht?
Das am weitesten hinten liegende Stadium, in dem mindestens zwei Aussagen auf dein Pferd zutreffen, ist euer realistischer Ausgangspunkt. Das vorderste Stadium, in dem auch etwas passt, zählt für die Einordnung nicht.
Ganz ehrlich, beim Durchlesen erkennt man sich oft zuerst in einem frühen Stadium wieder. Ein bisschen Husten beim Antraben passt schließlich fast immer irgendwo, und dieses frühe Stadium nimmt man dann gern für sich.
Kennst du diese Situation? Beim Pferd der Stallnachbarin hat eine Maßnahme super funktioniert, und bei deinem Liebling passiert damit gar nichts.
Oft stehen die beiden Pferde einfach an unterschiedlichen Punkten des Prozesses. Dieselbe Maßnahme kann bei einem Pferd genau richtig sein und beim nächsten nutzlos oder sogar kontraproduktiv.
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Warum fallen die frühen Stadien von equinem Asthma so spät auf?
Die frühen Stadien von equinem Asthma fallen spät auf, weil die Pferdelunge eine große funktionelle Reserve hat. Pferde gehören zu den ausdauerstärksten Säugetieren überhaupt, und im Galopprennen kann sich die Sauerstoffaufnahme um ein Vielfaches erhöhen.
An diese Reserve kommen wir im Freizeitbereich für gewöhnlich überhaupt nicht ran. Ein Pferd kann deshalb erstaunlich lange kompensieren, und in den Atemwegen müssen schon deutliche Entzündungen oder Veränderungen vorhanden sein, bevor dir überhaupt irgendetwas auffällt.
In frühen Asthmastadien zeigen viele Pferde nur ganz leichte Symptome, ein bisschen Husten beim Antraben oder gelegentlich mal Nasenausfluss. Deutlicher werden die Symptome erst, wenn ein erheblicher Teil der kleinen Atemwege betroffen ist.
Was passiert in der Lunge, wenn equines Asthma fortschreitet?
Equines Asthma beruht auf drei Prozessen in den Atemwegen, die Sandra so erklärt:
- Entzündung der Atemwege. Bestimmte Immunzellen wandern in die Atemwege ein und setzen Enzyme und Entzündungsstoffe frei, wodurch die Schleimhaut gereizt und geschädigt wird.
- Überempfindlichkeit der Atemwege. Die Bronchien reagieren übertrieben stark auf Reize. Bei einem asthmatischen Pferd kann sich dann die glatte Muskulatur der Bronchien zusammenziehen, der Durchmesser der Atemwege nimmt ab und die Atmung wird erschwert.
- Umbau der Atemwege. Bei länger bestehenden Entzündungen verändern sich die Atemwegswände dauerhaft. Die Schleimhaut verdickt sich, die glatte Muskulatur nimmt zu, die Drüsen produzieren teilweise mehr Schleim als normal, und der Innenraum der Bronchien wird immer enger. Es gibt allerdings auch trockene Varianten.
Der Umbau ist der Grund, warum das Stadium so viel zählt. Bei schweren oder lange bestehenden Fällen können diese Umbauvorgänge teilweise irreversibel werden. Wie weit der Prozess schon gelaufen ist, sagt deshalb mehr als die Frage, wie lange du schon etwas versuchst.
Übrigens erklärt der Umbau auch, warum bei einem schwer betroffenen Pferd vor allem das Ausatmen anstrengend wird. Ein gesundes Pferd muss zum Ausatmen weder pressen noch seine Bauchmuskulatur benutzen.
Erst wenn die Atemwege verengt sind und die Luft nicht mehr ungehindert entweichen kann, wird die Ausatmung zu einer echten körperlichen Anstrengung.
Warum merkst du den Wechsel ins nächste Stadium nicht?
Der Wechsel von einem Stadium ins nächste kündigt sich nicht an, und das ist der Teil, den keiner gern hört. Es gibt keinen Moment, in dem es laut wird, und keinen Tag, an dem du merkst, dass jetzt etwas gekippt ist.
Der richtige Zeitpunkt, sich um die Atemwege deines Pferdes zu kümmern, ist deshalb immer jetzt. Wir wissen nie, ob der Wechsel in die nächste Stufe irgendwann in den nächsten Monaten passiert oder morgen früh.
Ist ein spätes Stadium von equinem Asthma eine Endstation?
Ein spätes Stadium ist keine Endstation. In Sandras Reha-Betrieb standen Pferde, die jahrelang nicht mehr belastbar waren, nicht mehr freiwillig auf die Weide gingen und bei denen im Umfeld schon über das Einschläfern gesprochen wurde.
Auch aus einem späten Stadium heraus können Pferde sich vollständig erholen. Den Unterschied macht ein Plan, der zu dem Stadium passt, in dem dein Pferd wirklich steht.
Aus ihrer eigenen Reha-Arbeit hat Sandra eine Zahl, die Mut macht. Bei 99 Prozent der Pferde, die Sandra in der Atemwegs-Reha begleitet hat, ließen sich die Symptome deutlich verbessern.
Diese Zahl ist keine Zusage für dein Pferd, weil jeder Verlauf anders ist, aber ein guter Grund, ein spätes Stadium nicht als Endpunkt zu sehen.
„Kerngesund aus Island kommend, verwandelte sich der Zustand meines Pferdes innerhalb eines Jahres zu einem Ekzemer und schweren Asthmatiker. Er ist jetzt wieder reitbar und hat sehr an Lebensqualität gewonnen.“
Bärbel mit Próttur„Mein Welsh Pony Lauser wird dieses Jahr stolze 30. Ich kann ihn wieder reiten, er ist so gut wie symptomfrei, und man merkt ihm total an, dass er seine Lauffreudigkeit wieder zurück hat.“
Anna mit Lauser
Erfahrungsberichte von Kundinnen aus der Atempower-Begleitung, veröffentlicht mit ihrer Zustimmung. Jedes Pferd ist anders, Verläufe unterscheiden sich, und ein vergleichbares Ergebnis lässt sich niemandem zusagen.
Schau dir an, wie eine Atemwegs-Reha aufgebaut ist →
Was bedeutet das Stadium für den nächsten Schritt?
Je früher im Verlauf dein Pferd steht, desto besser sind die Aussichten, weil du im milden Stadium handeln kannst, bevor langfristige Schäden entstehen. Ein Pferd, das über Jahre nur „ein bisschen“ hustet, während sich alle an den Husten gewöhnt haben, ist deshalb kein gutes Zeichen.
Was konkret sinnvoll ist, hängt vom einzelnen Pferd ab, und deshalb beginnt jede sinnvolle Planung mit der ehrlichen Einordnung, noch vor dem nächsten Mittel. Die Grundlagen zum Krankheitsbild findest du im Beitrag Equines Asthma beim Pferd.
Häufige Fragen zu den Stadien von equinem Asthma
Ist equines Asthma heilbar?
Auch ein Pferd mit schwerem equinem Asthma kann nach Sandras Erfahrung wieder beschwerdefrei und belastbar werden. Vollständig umkehrbar sind allerdings nicht alle Veränderungen, denn ein Umbau der Atemwegswände, der über lange Zeit entstanden ist, kann teilweise bestehen bleiben. Das Stadium, in dem ihr startet, macht deshalb einen Unterschied.
Was ist der Unterschied zwischen COPD und equinem Asthma?
COPD beim Pferd und equines Asthma meinen heute dasselbe Thema, weil equines Asthma der Überbegriff für die älteren Abkürzungen ist. COB, englisch COPD, bezeichnete ursprünglich eine chronisch obstruktive Bronchitis. Gemeint war eine entzündliche Erkrankung der Atemwege, die bei entsprechender genetischer Veranlagung durch längere Belastung mit Staub und Allergenen entsteht.
Was bedeutet Dämpfigkeit beim Pferd?
Dämpfigkeit ist der alte Ausdruck für schweres equines Asthma, also für Stadium 5. Typisch sind deutliche Beschwerden mit der Atmung, pumpendes oder pressendes Atmen, eine Dampfrinne entlang des Bauchs und kaum noch Belastbarkeit.
Kann ein Pferd mit equinem Asthma noch geritten werden?
Ob ein asthmatisches Pferd geritten werden kann, hängt vom Stadium und vom einzelnen Pferd ab. In den Erfahrungsberichten oben beschreiben zwei Besitzerinnen, dass ihre Pferde nach der Begleitung wieder reitbar waren, eines davon mit fast 30 Jahren.
Was heißt Endstadium bei equinem Asthma?
Mit Endstadium ist meist Stadium 5 gemeint, also schweres equines Asthma. Nach Sandras Erfahrung ist der Begriff irreführend. In Sandras Reha-Betrieb standen Pferde, bei denen im Umfeld schon über das Einschläfern gesprochen wurde und die sich trotzdem vollständig erholt haben.
Wer steht hinter der Einteilung in fünf Stadien?
Hinter der Einteilung steht Dr. Sandra Löckener, promovierte Biologin und Expertin für Pferdegesundheit. Sandra hat an einer veterinärmedizinischen Fakultät geforscht, leitet seit über zehn Jahren einen eigenen Reha-Betrieb und arbeitet seit über zwanzig Jahren mit atemwegserkrankten Pferden. Begleitet hat Sandra über 800 Pferde.
Die Einteilung in fünf Stadien klärt Sandra in einem Erstgespräch als Erstes, zusammen mit ihrer Frage: Was ist im jetzigen Stadium sinnvoll und was nicht?
Mehr von Sandra zu den Themen rund um die Atemwege findest du in ihrem Beitrag zur besten Einstreu für kranke Pferde und in der Heu-Analyse 2024.
Erfahre, wie Sandra mit atemwegserkrankten Pferden arbeitet →

