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Equines Asthma: die fünf Stadien und wie du erkennst, wo ihr steht

Equines Asthma läuft in fünf Stadien ab, von gelegentlichem Husten bis zu angestrengter Atmung in Ruhe. Die letzten drei heißen mildes, mittelschweres und schweres equines Asthma. Der Übergang von einem Stadium ins nächste ist leise, es kündigt sich nicht an. Und fast jede Besitzerin schätzt sich eine Stufe zu früh ein. Das liegt nicht an mangelnder Aufmerksamkeit, sondern an der Pferdelunge selbst.

Warum du die frühen Stadien von equinem Asthma gar nicht sehen kannst

Pferde gehören zu den ausdauerstärksten Säugetieren überhaupt. Während eines Galopprennens kann sich die Sauerstoffaufnahme um ein Vielfaches erhöhen, das Atemvolumen steigt massiv an und die ganze Lunge arbeitet auf Hochtouren. Damit das möglich ist, hat die Pferdelunge eine große funktionelle Reserve.

Und an diese Reserve kommen wir im Freizeitbereich für gewöhnlich überhaupt nicht ran.

Deshalb fällt erst relativ spät auf, dass ein Pferd Leistungseinschränkungen hat. Ein gesundes Pferd kann erstaunlich lange kompensieren. Das bedeutet: Es müssen bereits deutliche Entzündungen oder Veränderungen in den Atemwegen vorhanden sein, bevor dir überhaupt irgendetwas auffällt.

Deshalb zeigen viele Pferde in frühen Asthmastadien zunächst nur ganz leichte Symptome. Ein bisschen Husten beim Antraben, vielleicht gelegentlich mal Nasenausfluss. Erst wenn ein erheblicher Teil der kleinen Atemwege betroffen ist, werden die Symptome deutlicher.

Die fünf Stadien im Überblick

Bei equinem Asthma findet ab der Entstehung praktisch eine Reise durch die Schweregrade statt. So sieht diese Reise aus:

Stadium 1: Erste Symptome

Dein Pferd hustet gelegentlich, meistens beim Antraben oder beim Fressen. Vielleicht kommt ab und zu etwas Nasenausfluss dazu. Zwischen den Episoden können Wochen liegen, in denen gar nichts ist. Die Symptome sind dir seit weniger als drei Wochen aufgefallen.

Stadium 2: Der Husten bleibt zuverlässig

Der Husten ist inzwischen verlässlich da, nicht mehr nur an einzelnen Tagen. Die Symptome bestehen seit mehr als drei Wochen, und nach einer ruhigen Phase kommt der Husten wieder zurück.

Diese Drei-Wochen-Grenze ist der eigentliche Einschnitt. Nach drei Wochen andauernder Symptome sprechen wir nicht mehr von akuten Symptomen. Der Fachbegriff dafür heißt Chronizität, und genau diesen Übergang möchtest du vermeiden.

Stadium 3: Chronisch, aber noch leicht (mildes equines Asthma)

Der Husten begleitet euch seit Monaten oder sogar Jahren. Den Husten hörst du vor allem beim Antraben, danach ist wieder Ruhe. In Ruhe sieht die Atmung unauffällig aus.

Wenn dein Pferd so nett ist, dir in dieser Phase immer mal wieder Husten oder mal Nasenausfluss zu zeigen, dann ist das eigentlich super. Denn dann kannst du früh handeln und die Angelegenheit in den Griff bekommen, bevor langfristige Schäden entstehen.

Genau hier liegt aber auch die Falle. Viele Pferdebesitzerinnen fühlen sich von etwas Husten beim Antraben nicht gestört und gewöhnen sich daran.

Stadium 4: Die Atmung wird sichtbar anstrengend (mittelschweres equines Asthma)

Jetzt werden die Symptome deutlicher. Es können Hustenanfälle auftreten und auch Beeinträchtigungen der Atmung. Vielleicht atmet dein Pferd mal schneller, tut sich schwerer beim Atmen oder braucht länger, um sich nach der Belastung wieder zu erholen.

Stadium 5: Die Reserven sind aufgebraucht (schweres equines Asthma)

Die Pferde haben jetzt deutliche Beschwerden mit der Atmung, können richtige Atemnot haben und auch anfallsartige Verschlechterungen.

Diesen Zustand kennst du wahrscheinlich unter einem anderen Namen: Dämpfigkeit. Wenn wir von einem dämpfigen Pferd hören, haben wir gleich ein bestimmtes Bild vor Augen. Ein Pferd, dem es gar nicht gut geht, das pumpend oder pressend atmet, weil es schlecht Luft bekommt. Oft hört man Atemgeräusche, vielleicht hustet das Pferd auch, und die Nüstern sind vor lauter Anstrengung geweitet.

Vielleicht kennst du auch den Begriff der Dampfrinne. Sie bildet sich, wenn die Atemwege so verengt sind, dass das Pferd die Bauchmuskulatur zu Hilfe nehmen muss, um die in die Lunge gezogene Luft wieder herauszupressen. Besteht dieser Zustand über einen gewissen Zeitraum, formt die Muskulatur eine Wölbung. Diese optische Rinne entlang des Bauchs wird dann als Dampfrinne bezeichnet.

Der Begriff Dämpfigkeit ist heute nicht mehr ganz aktuell und wird meist durch schweres equines Asthma ersetzt. Auch die früheren Abkürzungen IAD, RAO, COPD und COB sind durch diese modernere Bezeichnung abgelöst. Wer heute nach Dämpfigkeit sucht, sucht also nach Stadium 5.

Was zwischen den Stadien in der Lunge passiert

Damit klar wird, warum die Einstufung überhaupt zählt, lohnt ein Blick auf die drei Prozesse, auf denen die Erkrankung beruht.

Erstens die Entzündung der Atemwege. Bestimmte Immunzellen wandern in die Atemwege ein und setzen dort Enzyme und Entzündungsstoffe frei. Dadurch wird die Schleimhaut gereizt und geschädigt.

Zweitens eine Überempfindlichkeit der Atemwege. Die Bronchien reagieren übertrieben stark auf Reize. Was bei einem gesunden Pferd kaum auffällt, kann bei einem asthmatischen Pferd dazu führen, dass sich die glatte Muskulatur der Bronchien zusammenzieht. Der Durchmesser der Atemwege nimmt ab und die Atmung wird erschwert.

Drittens der Umbau der Atemwege. Bei länger bestehenden Entzündungen verändern sich die Atemwegswände dauerhaft. Die Schleimhaut verdickt sich, die glatte Muskulatur nimmt zu, und die Drüsen produzieren teilweise mehr Schleim als normal wäre. Es gibt allerdings auch trockene Varianten. Der Innenraum der Bronchien wird dabei immer enger.

Und jetzt kommt der Punkt, auf den es ankommt: Diese Umbauvorgänge können bei schweren oder lange bestehenden Fällen teilweise irreversibel werden. Deshalb zählt bei equinem Asthma nicht, wie lange du schon etwas versuchst, sondern wie weit der Prozess bereits gelaufen ist.

Übrigens erklärt der Umbau auch, warum bei einem schwer betroffenen Pferd vor allem das Ausatmen zur Anstrengung wird. Bei einem gesunden Pferd kostet die Ausatmung kaum Kraft, das Pferd muss dafür weder pressen noch seine Bauchmuskulatur benutzen. Erst wenn die Atemwege verengt sind und die Luft nicht mehr ungehindert entweichen kann, wird die Ausatmung zu einer echten körperlichen Anstrengung.

Warum fast alle sich eine Stufe zu früh einordnen

Jetzt kommt der Teil, der in der Praxis den größten Unterschied macht.

Wenn du die fünf Stadien durchgehst, wirst du dich in einem frühen Stadium wiedererkennen. Fast immer passt dort auch etwas, ein bisschen Husten beim Antraben zum Beispiel. Und genau dieses frühe Stadium nimmt man dann für sich.

Die Regel lautet anders: Das am weitesten hinten liegende Stadium, in dem mindestens zwei Aussagen auf dein Pferd zutreffen, ist euer realistischer Ausgangspunkt. Nicht das vorderste, in dem auch etwas passt.

Warum das so wichtig ist, siehst du an einer Situation, die du bestimmt kennst. Bei der Stallnachbarin hat etwas super funktioniert, bei deinem Pferd passiert damit gar nichts. Das liegt nicht daran, dass die Stallnachbarin das bessere Mittel hatte. Der Grund ist, dass ihr beide an unterschiedlichen Punkten des Prozesses steht. Dieselbe Maßnahme kann bei einem Pferd genau richtig sein und beim nächsten nutzlos oder sogar kontraproduktiv.

Der Übergang zwischen zwei Stadien ist leise

Und jetzt der Teil, den keiner gern hört.

Der Wechsel von einem Stadium ins nächste kündigt sich nicht an. Es gibt keinen Moment, in dem es laut wird, keinen Tag, an dem du merkst, jetzt ist etwas gekippt.

Deshalb gilt bei Atemwegen eine einfache Regel: Der richtige Zeitpunkt, sich um die Atemwege deines Pferdes zu kümmern, ist immer jetzt. Denn wir wissen nie, ob der Wechsel in die nächste Stufe irgendwann in den nächsten Monaten passiert oder morgen früh.

Wenn du dich gerade weit hinten wiederfindest

Dann lies bitte noch diesen Absatz.

Ein spätes Stadium ist keine Endstation. In Sandras Reha-Betrieb standen Pferde, die jahrelang nicht mehr belastbar waren, die nicht mehr freiwillig auf die Weide gingen und bei denen im Umfeld schon über das Einschläfern gesprochen wurde. Auch aus diesem Stadium heraus können Pferde sich vollständig erholen.

Entscheidend ist, dass der Plan zu dem Stadium passt, in dem dein Pferd wirklich steht.

Zur Frage, wie viel sich noch bewegen lässt, hat Sandra eine Zahl aus ihrer eigenen Arbeit: Bei 99 Prozent der Pferde, die sie in der Atemwegs-Reha begleitet hat, ließen sich die Symptome deutlich verbessern. Das ist keine Zusage für dein Pferd, denn jeder Verlauf ist anders. Es ist aber ein Grund, ein spätes Stadium nicht als Endpunkt zu betrachten.

„Kerngesund aus Island kommend, verwandelte sich der Zustand meines Pferdes innerhalb eines Jahres zu einem Ekzemer und schweren Asthmatiker. Er ist jetzt wieder reitbar und hat sehr an Lebensqualität gewonnen.“
Bärbel mit Próttur

„Mein Welsh Pony Lauser wird dieses Jahr stolze 30. Ich kann ihn wieder reiten, er ist so gut wie symptomfrei, und man merkt ihm total an, dass er seine Lauffreudigkeit wieder zurück hat.“
Anna mit Lauser

Erfahrungsberichte von Kundinnen aus der Atempower-Begleitung, veröffentlicht mit ihrer Zustimmung. Jedes Pferd ist anders, Verläufe unterscheiden sich, und ein vergleichbares Ergebnis lässt sich niemandem zusagen.

Schau dir an, wie eine Atemwegs-Reha aufgebaut ist →

Was das Stadium für den nächsten Schritt bedeutet

Je früher dein Pferd steht, desto besser sind die Aussichten. Im milden Stadium kannst du früh handeln, bevor langfristige Schäden entstehen. Genau deshalb ist es kein gutes Zeichen, wenn ein Pferd über Jahre nur „ein bisschen“ hustet und alle sich daran gewöhnt haben.

Was konkret sinnvoll ist, hängt vom einzelnen Pferd ab. Der Grundgedanke steht aber schon weiter oben: Dieselbe Maßnahme kann bei einem Pferd richtig und beim nächsten nutzlos sein, weil beide an unterschiedlichen Punkten stehen. Deshalb beginnt jede sinnvolle Planung mit der ehrlichen Einordnung und nicht mit dem nächsten Mittel.

Wenn du tiefer einsteigen willst, findest du im Beitrag Equines Asthma beim Pferd die Grundlagen zum Krankheitsbild und die Begriffe COB, COPD, IAD und RAO erklärt.

Häufige Fragen zu den Stadien von equinem Asthma

Ist equines Asthma heilbar?

Auch ein Pferd im schweren Stadium, früher dämpfig genannt, kann nach Sandras Erfahrung wieder beschwerdefrei und belastbar werden. Vollständig umkehrbar sind allerdings nicht alle Veränderungen. Ein Umbau der Atemwegswände, der über lange Zeit entstanden ist, kann teilweise bestehen bleiben. Deshalb macht das Stadium, in dem ihr startet, einen Unterschied.

Was ist der Unterschied zwischen COPD und equinem Asthma?

COB, englisch COPD, war ursprünglich die Bezeichnung für eine chronisch obstruktive Bronchitis beim Pferd. Gemeint war eine entzündliche Erkrankung der Atemwege, die bei entsprechender genetischer Veranlagung durch längere Belastung mit Staub und Allergenen entsteht, teils zusammen mit einem Infekt oder schlechter Luftqualität. Heute ist equines Asthma der Überbegriff für all diese Abkürzungen. Wer nach COPD beim Pferd sucht, meint dasselbe Thema.

Was bedeutet Dämpfigkeit und ist das dasselbe?

Dämpfigkeit ist der alte Ausdruck für das, was heute schweres equines Asthma heißt. Gemeint ist Stadium 5: deutliche Beschwerden mit der Atmung, pumpendes oder pressendes Atmen, eine Dampfrinne entlang des Bauchs und kaum noch Belastbarkeit.

Kann ein Pferd mit equinem Asthma noch geritten werden?

Das hängt vom Stadium und vom einzelnen Pferd ab. In den Erfahrungsberichten oben beschreiben zwei Besitzerinnen, dass ihre Pferde nach der Begleitung wieder reitbar waren, eines davon mit fast 30 Jahren. Eine allgemeine Antwort gibt es nicht, weil sich die Verläufe unterscheiden.

Was heißt Endstadium bei equinem Asthma?

Der Begriff wird oft für Stadium 5 verwendet, also für schweres equines Asthma. Aus Sandras Arbeit heraus ist er irreführend. In ihrem Reha-Betrieb standen Pferde, bei denen im Umfeld bereits über das Einschläfern gesprochen wurde und die sich vollständig erholt haben. Ein spätes Stadium ist ein schwieriger Ausgangspunkt, aber kein feststehendes Ende.

Wer hinter dieser Einteilung steht

Dr. Sandra Löckener ist promovierte Biologin und Expertin für Pferdegesundheit. Sie hat an einer veterinärmedizinischen Fakultät geforscht, leitet seit über zehn Jahren einen eigenen Reha-Betrieb und arbeitet seit über zwanzig Jahren mit atemwegserkrankten Pferden. Über 800 Pferde hat sie begleitet.

Die Einteilung in fünf Stadien ist das, was sie in einem Erstgespräch als Erstes klärt: Wo stehen Pferd und Besitzerin gerade, und was heißt dieser Stand für den nächsten Schritt.

Mehr von Sandra zu den Themen rund um die Atemwege findest du in ihrem Beitrag zur besten Einstreu für kranke Pferde und in der Heu-Analyse 2024.

Erfahre, wie Sandra mit atemwegserkrankten Pferden arbeitet →

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