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Equines Asthma: Behandlung und was du selbst tun kannst

Bei der Behandlung von equinem Asthma arbeiten zwei Seiten zusammen. Dein Tierarzt kann mit Medikamenten an den Symptomen ansetzen. Und du kannst im Alltag dafür sorgen, dass die Atemwege deines Pferdes nicht jeden Tag neu gereizt werden.

Für Sandra ist die Haltung der Dreh- und Angelpunkt, also saubere Luft im Stall und gewaschenes Heu. Einen Tierarztbesuch ersetzt dieser Ratgeber nicht, denn Diagnose und Medikamente gehören in tierärztliche Hände.

Das Wichtigste in Kürze

  • Bei equinem Asthma setzt der Tierarzt vor allem Schleimlöser, bronchienentkrampfende Mittel und bei Bedarf Cortison ein und entscheidet allein über Mittel und Dauer.
  • Den größten Hebel für Besitzerinnen sieht Sandra in der Haltung: Staub aus Heu und Einstreu und Ammoniak aus dem Urin so weit wie möglich aus dem Alltag des Pferdes nehmen.
  • Bewegung kann bei equinem Asthma die Regeneration unterstützen, wenn die Bewegung dosiert und an der Atmung ausgerichtet ist.
  • Solange ein Pferd mit equinem Asthma Symptome zeigt, rät Sandra zu gewaschenem Heu und möglichst keinen Futterzusätzen.
  • Bei equinem Asthma zählt die Reihenfolge der Schritte: erst die Reize aus der Umgebung nehmen und die Bewegung anpassen, dann die Regeneration der Atemwege begleiten, zuletzt Kondition aufbauen.

Was hilft bei equinem Asthma wirklich?

Am meisten bewirken kann, die Reize aus der Umgebung deines Pferdes zu nehmen. Staub aus Heu und Einstreu und Ammoniak aus dem Urin reizen die Atemwege bei equinem Asthma immer wieder neu.

Deshalb setzt Sandra bei jedem atemwegskranken Pferd als Allererstes an der Haltung an. Bei manchen Pferden klingen die Symptome schon ab, sobald die ständigen Reize wegfallen.

Bei anderen Pferden, vor allem wenn das equine Asthma schon länger besteht, braucht es danach weitere Schritte, zum Beispiel eine Inhalation oder ein angepasstes Bewegungsprogramm.

Und jetzt ist die Frage: Was hast du bei equinem Asthma selbst in der Hand? Sandra unterscheidet drei Bereiche.

  • Umgebung: Staub, Ammoniak und andere Reize so weit wie möglich aus dem Alltag deines Pferdes nehmen.
  • Bewegung: dosiert und an der Atmung orientiert, statt dein Pferd komplett zu schonen oder zu überfordern.
  • Unterstützung: eine schlanke Fütterung, bei Bedarf eine Inhalation und eine Begleitung, die den Überblick behält.

Wie sieht die Behandlung von equinem Asthma beim Tierarzt aus?

Beim Tierarzt setzen die Medikamente vor allem an drei Stellen an: am zähen Sekret, an den verkrampften Bronchien und an der Entzündung. So ordnet Sandra die gängigen Gruppen ein:

Medikamentengruppe Wofür gedacht Gut zu wissen
Schleimlöser (Fachbegriff: Sekretolytika) zähes Sekret verflüssigen, damit das Pferd den Schleim leichter abtransportieren kann je nach Präparat über das Maul oder als Inhalation
Bronchienentkrampfende Mittel (Fachbegriff: Bronchospasmolytika) die verkrampfte Muskulatur der Bronchien entspannen manche Mittel wirken zusätzlich entzündungshemmend und antiallergisch
Cortison (Gruppe der Corticoide) starke Entzündungen und allergische Reaktionen dämpfen kommt vor allem infrage, wenn bronchienentkrampfende Mittel allein nicht ausreichen

Zwei weitere Ansatzpunkte nennt Sandra, die ohne Medikamente auskommen: das Immunsystem anregen und die Leber in der Regeneration unterstützen. Immunsystem und Leber lassen sich nach Sandras Erfahrung gut über die Ernährung begleiten.

Welches Mittel dein Pferd bekommt und wie lange, entscheidet dein Tierarzt nach der Untersuchung. Vorher klärt der Tierarzt ab, ob etwas gegen ein Medikament spricht, zum Beispiel eine Schwäche von Leber oder Nieren. Präparate und Dosierungen findest du hier deshalb bewusst nicht.

Viele Besitzerinnen kennen das Muster: eine Runde Medikamente, eine ruhige Phase, und ein paar Monate später geht der Husten wieder los. Und weißt du, warum der Husten dann wiederkommen kann?

Wenn dein Pferd im Stall weiter jeden Tag Staub einatmet, werden die Atemwege immer wieder neu gereizt, ganz gleich, welches Medikament dein Pferd gerade bekommt. Medikamente und die Arbeit an der Umgebung gehören deshalb zusammen.

Wofür wird Cortison beim Pferd mit Asthma eingesetzt?

Cortison wird bei equinem Asthma eingesetzt, um eine starke Entzündung und allergische Reaktionen in den Atemwegen zu dämpfen. Manche Präparate werden inhaliert und kommen so direkt in den Atemwegen an.

Sandra hat viele Pferde erlebt, denen es sehr schlecht ging und denen es mit Cortison deutlich besser ging. Sandras Rat lautet deshalb, Cortison nicht von vornherein abzulehnen.

Gleichzeitig lohnt es sich, offen für andere Ansätze zu bleiben. Nach Sandras Erfahrung kommen viele Pferde mit länger bestehenden Beschwerden auch ohne Cortison gut weiter.

Ob Cortison für dein Pferd gerade der richtige Weg ist und wann das Cortison wieder abgesetzt wird, entscheidet dein Tierarzt. Setz Cortison bitte nie auf eigene Faust ab.

Was kannst du bei Asthma beim Pferd im Stall tun?

Der erste Schritt ist, die Umgebung deines Pferdes Punkt für Punkt auf Reize zu prüfen. Für diese Prüfung arbeitet Sandra mit einer Checkliste aus acht Punkten. Fünf Punkte dieser Checkliste:

  • Heu: Heu ist grundsätzlich staubig. Sicher gebunden ist der Heustaub nach Sandras Erfahrung nur, wenn du das Heu komplett in Wasser tauchst. Auch trockenes Heu der Nachbarpferde kann Staub zu deinem Pferd wehen.
  • Einstreu: Die Einstreu sollte staubfrei sein, und der Ammoniak aus dem Urin sollte gebunden oder oft entfernt werden. Gemistet wird am besten, wenn dein Pferd nicht in der Nähe ist.
  • Staub und Gase im Alltag: Eine unberegnete Reithalle, Fegen in der Stallgasse, Rauch oder frisch mit Holzschutzmittel gestrichene Zäune können die Atemwege zusätzlich reizen.
  • Ruhe: Stress, Unruhe in der Herde, Turniere oder Reisen können den Organismus deines Pferdes zusätzlich belasten.
  • Gewicht: Starkes Übergewicht kann sich negativ auf das equine Asthma auswirken.

Acht Punkte klingen erst mal nach viel, oder? Sandra rät, Schritt für Schritt vorzugehen und sich zum Beispiel jeden Tag einen Punkt vorzunehmen. Mehr zu Heu, Einstreu und Stall findest du im Ratgeber Fütterung und Haltung bei equinem Asthma.

Wie viel Bewegung braucht ein Pferd mit equinem Asthma?

Ein Pferd mit equinem Asthma braucht Bewegung, aber in der richtigen Dosis. Atemwegskranke Pferde belüften ihre Lunge oft nicht ausreichend.

Ein passender Trainingsreiz kann die Lunge wieder stärker belüften und durchbluten und so die Regeneration unterstützen. Zu viel Anstrengung kann dagegen einen Asthmaanfall auslösen.

Sandra orientiert sich deshalb an der Atemfrequenz: kurz belasten, dann Pause, bis die Atmung wieder beim Ruhewert ist. Bei vielen Pferden beginnt dieses Training im Schritt. Mehr zu Bewegung und Reiten erklärt der Ratgeber Pferd mit Asthma reiten.

Was darf ein Pferd mit equinem Asthma fressen?

Solange dein Pferd Symptome zeigt, rät Sandra zu einer sehr schlanken Fütterung: gewaschenes Heu und sonst möglichst nichts. Kräuter, Müslis, Konservierungs- und Aromastoffe können die Atemwege zusätzlich belasten, und manche Pferde reagieren allergisch auf solche Zusätze.

Eine Ausnahme ist Mineralfutter, wenn ein Blutbild beim Tierarzt einen Mangel zeigt. Dann sollte das Mineralfutter für Allergiker geeignet sein.

Der Verzicht auf Futterzusätze ist für viele Besitzerinnen der schwerste Punkt, weil man seinem Liebling gern etwas Gutes tun möchte. Sandra geht es genauso: „Ich weiß, Pferdebesitzer füttern sehr gerne, ich kann mich davon auch nicht ausnehmen.“

In der Phase mit Symptomen können Futterzusätze trotzdem mehr schaden als nützen. Welche Fütterung außer Heu später passt, steht im Ratgeber zu Fütterung und Haltung.

Wann kann Inhalieren bei equinem Asthma sinnvoll sein?

Inhalieren kann sinnvoll sein, wenn die Reize aus der Umgebung weg sind und trotzdem noch Symptome bleiben. An diesem Punkt beginnt Sandra mit vielen Pferden eine Inhalation.

Inhalieren kann die Atemwege befeuchten und festsitzendes Sekret flüssiger machen, sodass das Pferd den Schleim leichter abtransportieren kann.

Nicht jedes Pferd profitiert von einer Inhalation, und dauerhaft inhalieren muss nach Sandras Erfahrung kaum ein Pferd, das gut eingestellt ist. Mehr zum Inhalieren liest du im Ratgeber Pferd inhalieren.

In welcher Reihenfolge gehst du bei equinem Asthma am besten vor?

Bei equinem Asthma kommt es vor allem darauf an, dass jede Maßnahme zum richtigen Zeitpunkt kommt. In Sandras Programm bauen die Schritte deshalb aufeinander auf:

  1. Reize nehmen und Bewegung anpassen: Staub und Ammoniak aus dem Alltag deines Pferdes nehmen und die Bewegung an der Atmung ausrichten.
  2. Regeneration begleiten: Im zweiten Schritt steht die Regeneration der Atemwege im Mittelpunkt, zum Beispiel mit einer Inhalation.
  3. Aufbauen: Erst im dritten Schritt folgt der Aufbau von Kondition und Muskulatur.

Viele Besitzerinnen probieren parallel sehr viel aus, von Kräutermischungen über pflanzliche Präparate bis zur Homöopathie. Sandra rät, alles wegzulassen, dessen Nutzen nicht belegt ist.

Solche Zusätze belasten dein Pferd und deinen Geldbeutel unnötig und können teils sogar Allergien auslösen.

Welcher Schritt gerade dran ist, hängt davon ab, wie weit das equine Asthma schon fortgeschritten ist. Dieselbe Maßnahme kann bei einem Pferd genau richtig sein und beim nächsten nutzlos.

Wie du den Stand deines Pferdes einschätzen kannst, erklärt der Ratgeber zu den Stadien von equinem Asthma. Eine erste Einschätzung für dein Pferd bekommst du im Phasen-Check für die Atemwege deines Pferdes.

Sandra erlebt oft, dass Besitzerinnen sehr glücklich sind, wenn ihr Pferd statt 50-mal nur noch dreimal am Tag hustet, und diese Freude kann Sandra gut verstehen.

Ein Pferd, das dreimal am Tag hustet, ist nach Sandras Worten aber noch nicht gesund.

Schau dir im kostenlosen Lernvideo an, wie eine Atemwegs-Reha aufgebaut ist →

Wann musst du sofort den Tierarzt rufen?

Ruf sofort den Tierarzt, wenn dein Pferd Atemnot hat, sich die Atmung plötzlich verschlechtert oder dein Pferd auch in Ruhe sichtbar schwer atmet. Schweres equines Asthma kann mit richtiger Atemnot und anfallsartigen Verschlechterungen der Atmung einhergehen.

In einem solchen Moment zählt nur, dass dein Pferd schnell Luft bekommt.

Auch jede Veränderung bei Medikamenten besprichst du vorher mit deinem Tierarzt, ob neue Gabe, Pause oder Absetzen. Deine Arbeit im Stall und die tierärztliche Behandlung ergänzen sich.

Welche Anzeichen überhaupt auf equines Asthma hindeuten, erklärt der Ratgeber zu den Symptomen von equinem Asthma.

Wann kann Unterstützung sinnvoll sein, wenn es zu Hause nicht vorangeht?

Die Betreuung eines Pferdes mit equinem Asthma verlangt viel Kraft und Geduld und dauert oft Monate. Viele Besitzerinnen kommen bei dieser Betreuung an ihre Grenzen. Unterstützung kann vor allem in diesen Situationen sinnvoll sein:

  • Die Umstellung im Stall braucht Zeit, zum Beispiel weil ein Stallwechsel nötig ist oder erst mit dem Stallbetreiber gesprochen werden muss.
  • Einzelne Maßnahmen lassen sich im Heimatstall nicht in der nötigen Häufigkeit umsetzen, etwa eine sehr intensive Inhalation.
  • Eigentlich passt alles, und trotzdem geht es nur schleppend oder in Wellen voran.
  • Du selbst brauchst Entlastung, weil die Sorge um dein Pferd dich schon lange fordert.

Sandra begleitet Pferde in ihrem eigenen Reha-Betrieb und direkt im Heimatstall der Pferde. Bei der Begleitung im Heimatstall setzt die Besitzerin die Maßnahmen selbst um und wird Schritt für Schritt angeleitet.

Wie viel sich bewegen lässt, zeigen Zahlen aus Sandras eigener Arbeit. Bei 99 Prozent der Pferde, die Sandra in der Atemwegs-Reha begleitet hat, ließen sich die Symptome deutlich verbessern.

Über 64 Prozent dieser Pferde kamen mit den Symptomen von schwerem equinem Asthma zu Sandra. Diese Zahlen sind keine Zusage für dein Pferd, denn jeder Verlauf ist anders.

Häufige Fragen

Muss mein Pferd mit equinem Asthma lebenslang Cortison bekommen?

Die Diagnose equines Asthma heißt nach Sandras Erfahrung nicht, dass ein Pferd sein Leben lang Cortison braucht oder mit Symptomen leben muss. Sandra erlebt oft, dass Pferde im Verlauf ohne Medikamente auskommen und keine Symptome mehr zeigen.

Zusagen lässt sich dieser Verlauf niemandem, und ob ein Medikament reduziert oder abgesetzt wird, entscheidet immer dein Tierarzt.

Welche Medikamente werden bei Asthma bei Pferden eingesetzt?

Tierärzte setzen bei equinem Asthma vor allem Schleimlöser, bronchienentkrampfende Mittel und bei Bedarf Cortison ein. Welches Mittel passt, entscheidet dein Tierarzt nach der Untersuchung.

Gibt es einen natürlichen Bronchienerweiterer für Pferde?

Mittel, die verkrampfte Bronchien entspannen, sind Medikamente und gehören in die Hand deines Tierarztes. Kräuter und Kräutermischungen rät Sandra in der Phase mit Symptomen wegzulassen, weil Kräuter die Atemwege zusätzlich belasten und Allergien auslösen können.

Wie lange dauert es, bis sich bei equinem Asthma etwas bessert?

In Sandras Programm ist jeder Abschnitt auf etwa vier Wochen angelegt. Wer die Umstellung im Stall vier Wochen lang konsequent durchzieht, hat nach Sandras Erfahrung gute Chancen, eine Veränderung zu bemerken.

Bewegt sich nach sechs bis acht Wochen noch nichts, lohnt ein genauer Blick auf die Gründe. Bis ein Pferd durch alle Abschnitte gegangen ist, vergeht für gewöhnlich rund ein halbes Jahr.

Wie alt werden Pferde mit equinem Asthma?

Eine pauschale Zahl gibt es nicht. Als Faustregel gilt nach Sandras Erfahrung: Je länger ein Pferd Symptome hat, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass sich manche Bereiche der Atemwege nicht mehr komplett regenerieren.

Ausführlich beantwortet der Ratgeber zur Lebenserwartung bei equinem Asthma die Frage nach dem Alter.

Kann ich equines Asthma ohne Tierarzt in den Griff bekommen?

Ohne Tierarzt geht es nicht, denn die Diagnose, jede Untersuchung und alle Entscheidungen über Medikamente gehören zum Tierarzt. Was du selbst in der Hand hast, sind Stall, Fütterung, Bewegung und Alltag deines Pferdes.

Wer steht hinter diesem Ratgeber?

Dr. Sandra Löckener ist promovierte Biologin und Expertin für Pferdegesundheit. Sandra hat an einer veterinärmedizinischen Fakultät geforscht, leitet seit über zehn Jahren einen eigenen Reha-Betrieb und arbeitet seit über zwanzig Jahren mit atemwegserkrankten Pferden.

Über 800 Pferde mit Atemwegsproblemen hat Sandra begleitet. Sandras Arbeit setzt dort an, wo du als Besitzerin selbst etwas tun kannst, bei Umgebung, Bewegung und Fütterung in der richtigen Reihenfolge.

Die Grundlagen zum Krankheitsbild findest du im Ratgeber Equines Asthma beim Pferd, eine Übersicht zu allen Atemwegsthemen auf der Seite Atemwegserkrankungen beim Pferd.

Stand: 27.09.2026

Erfahre, wie Sandra mit atemwegserkrankten Pferden arbeitet →

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