> Blogartikel, Atemwege, Pferdegesundheit

Equines Asthma: Symptome erkennen und richtig einordnen

Die typischen Symptome von equinem Asthma sind Husten, der immer wiederkommt, Nasenausfluss, eine schnellere oder angestrengte Atmung und eine Leistung, die langsam nachlässt. In schweren Fällen kommen geblähte Nüstern, Atemgeräusche und eine Bauchmuskulatur hinzu, die beim Ausatmen deutlich mitarbeitet.

Die frühen Anzeichen von equinem Asthma sind leise und werden deshalb oft übersehen. Mit der Checkliste auf dieser Seite kannst du die Symptome deines Pferdes in Ruhe durchgehen und einschätzen, ob Handlungsbedarf besteht.

Das Wichtigste in Kürze

  • Ein einzelner Huster ist noch kein Befund, Husten, der immer wiederkommt, ist dagegen ein erstes Symptom von equinem Asthma.
  • Nicht jedes Pferd mit equinem Asthma hustet, deshalb gehören Atmung und Nasenausfluss immer mit in den Blick.
  • Die Pferdelunge hat eine sehr große Reserve, deshalb fallen die ersten Symptome von equinem Asthma oft erst spät auf.
  • Halten Symptome länger als drei Wochen an, spricht man nicht mehr von akuten Symptomen.
  • Bei Atemnot, Fieber oder Mattigkeit gehört dein Pferd sofort zum Tierarzt.

Welche Symptome zeigt ein Pferd mit equinem Asthma?

Ein Pferd mit equinem Asthma zeigt vor allem Veränderungen beim Husten, beim Nasenausfluss und bei der Atmung, später auch bei Leistung und Allgemeinbefinden. Wie deutlich die Symptome ausfallen, hängt davon ab, wie weit die Erkrankung schon fortgeschritten ist.

  • Husten, der wiederkommt: Dein Pferd hustet gelegentlich, meistens beim Antraben oder beim Fressen. Später ist der Husten verlässlich da, und es können Hustenanfälle auftreten, bei denen dein Pferd mehrfach hintereinander hustet.
  • Nasenausfluss: Ab und zu siehst du etwas Nasenausfluss. Schau dir an, ob der Nasenausfluss eher wenig, fließend oder zäh ist.
  • Schnellere Atmung: Dein Pferd atmet mal schneller als sonst oder tut sich schwerer beim Atmen.
  • Langes Nachatmen: Nach der Arbeit braucht dein Pferd länger, bis sich die Atmung wieder beruhigt hat.
  • Nachlassende Leistung: Die Leistungsfähigkeit deines Pferdes lässt nach.
  • Geblähte Nüstern: Die Nüstern sind vor lauter Anstrengung weit geöffnet.
  • Atemgeräusche: Du hörst beim Atmen ein Rasseln, ein Pfeifen oder ein leises Rauschen.
  • Angestrengte Atmung in Ruhe: Dein Pferd atmet auch im Stehen erkennbar angestrengt, pumpend oder pressend.
  • Bauchatmung und Dampfrinne: Beim Ausatmen arbeitet die Bauchmuskulatur deutlich mit, und entlang des Bauchs ist eine Rinne zu sehen.
  • Verändertes Allgemeinbefinden: Fell, Gewicht oder Allgemeinbefinden deines Pferdes haben sichtbar gelitten.

Die ersten Punkte der Liste gehören zu den frühen Stadien, die letzten zu den schweren. Du musst also nicht alle Symptome wiederfinden, damit equines Asthma für dein Pferd ein Thema ist.

Und jetzt kommt ein ganz wichtiger Punkt, denn nicht alle Pferde husten. Manche Pferde zeigen vor allem Nasenausfluss oder eine veränderte Atmung, und wer nur auf den Husten achtet, kann Nasenausfluss und Atmung leicht aus dem Blick verlieren.

Warum übersieht man die ersten Symptome von equinem Asthma so leicht?

Die ersten Symptome von equinem Asthma fallen oft kaum auf, weil die Pferdelunge eine sehr große Reserve hat und ein Pferd deshalb lange ausgleichen kann.

An die Reserve der Pferdelunge kommen wir im Freizeitbereich für gewöhnlich gar nicht heran. Und weißt du, was die große Reserve für dich als Besitzerin heißt? Es müssen bereits deutliche Entzündungen oder Veränderungen in den Atemwegen vorhanden sein, bevor dir überhaupt etwas auffällt.

Viele Pferde zeigen in den frühen Stadien deshalb nur ganz leichte Symptome, zum Beispiel ein bisschen Husten beim Antraben oder gelegentlich etwas Nasenausfluss. Deutlicher werden die Symptome erst, wenn ein erheblicher Teil der kleinen Atemwege betroffen ist.

Viele Pferdebesitzerinnen stört etwas Husten beim Antraben oder ein wenig Nasenausfluss auch gar nicht, und sie gewöhnen sich an die Symptome. Sich an leise Symptome zu gewöhnen, ist menschlich und hat nichts mit fehlender Fürsorge zu tun.

Eine Kundin von Sandra hat im Podcast erzählt, wie es bei ihrem Pferd anfing: mit ein bisschen Husten und dem Gedanken, dass Husten beim Antraben bei Regen oder Kälte ja ganz normal sei.

Und nun rate mal… genau: Beim Pferd der Kundin blieb es nicht bei ein bisschen Husten.

Auch erste Veränderungen der Atmung und erste Leistungseinbußen bleiben oft unentdeckt, denn Pferde zeigen erst sehr spät, dass ihre Lebensqualität leidet. Warum die späte Sichtbarkeit der Symptome für den Verlauf so viel ausmacht, erklärt Sandra auf der Seite zu den Stadien von equinem Asthma.

Wie unterscheidest du harmlosen Husten von equinem Asthma?

Ein einzelner Huster kann einfach zur Selbstreinigung der Lunge gehören, Husten dagegen, der wiederkommt oder länger als drei Wochen anhält, kann auf equines Asthma hindeuten.

Die Selbstreinigung der Lunge kannst du dir wie ein Förderband vorstellen. Die Atemwege sind mit einem Feuchtigkeitsfilm ausgekleidet, auf dem eingeatmeter Staub, Pollen oder Schimmelsporen hängen bleiben, und winzige Flimmerhärchen transportieren den Schleim nach oben Richtung Rachen, wo der Schleim abgeschluckt oder ausgehustet wird.

Solange die Selbstreinigung der Lunge funktioniert, gleicht die Pferdelunge erstaunlich viel Belastung aus. Hellhörig solltest du werden, wenn der Husten zum Muster wird, also immer wieder auftritt oder Nasenausfluss und eine veränderte Atmung hinzukommen.

Infekt oder equines Asthma?

Equines Asthma ist eine chronische, nicht infektiöse Entzündung der unteren Atemwege. Sandra grenzt equines Asthma so ab, dass jede Lungensymptomatik, die kein Infekt ist und nicht innerhalb weniger Wochen von selbst wieder verschwindet, theoretisch in den Bereich equines Asthma fallen kann.

Hat dein Pferd immer wieder Beschwerden in den tiefen Atemwegen, egal ob saisonal oder durchgehend, dann besteht schon die Wahrscheinlichkeit, dass ihr im Team equines Asthma seid, wie Sandra sagt.

Bei einem Infekt kommen häufig weitere Symptome hinzu. Miss bei Husten und Nasenausfluss deshalb ruhig Fieber und achte auf Mattigkeit oder geschwollene Lymphknoten im Kehlbereich.

Kommen Fieber, Mattigkeit oder geschwollene Lymphknoten zum Husten hinzu, kann eine ansteckende Infektion wie Druse dahinterstecken. Hol in diesem Fall gleich den Tierarzt, damit sich nicht der halbe Stall ansteckt.

In Beratungsgesprächen hört Sandras Team oft von einem Infekt, der besser wird, aber nie so richtig weggeht, und bei so einem Verlauf solltest du hellhörig werden. Mehr zu Husten beim Pferd allgemein findest du auf der Seite Atemwegserkrankungen bei Pferden.

Ab wann gilt Husten beim Pferd nicht mehr als akut?

Nach drei Wochen andauernder Symptome spricht man nicht mehr von akuten Symptomen. Schon in der zweiten Woche ist deshalb Handlung gefragt, weil du vermeiden möchtest, dass die Symptome chronisch werden.

Hält der Husten deines Pferdes länger als drei Wochen an oder kommt der Husten nach einer ruhigen Phase zurück, ist Aussitzen keine gute Idee mehr.

Pferd atmet schwer: Wie prüfst du die Atmung selbst?

Ob dein Pferd schwer atmet, kannst du selbst prüfen, indem du die Atemfrequenz in Ruhe zählst und dir das Atmungsbild genau ansiehst. Zählen und Hinschauen dauern nur wenige Minuten und geben dir einen Ausgangswert für spätere Vergleiche.

Wie zählst du die Atemfrequenz richtig?

Miss die Atemfrequenz erst, wenn dein Pferd mindestens 30 Minuten ruhig gestanden hat. Zähl die Atemzüge 30 Sekunden lang und nimm die Zahl mal zwei, oder zähl gleich 60 Sekunden.

Ein durchschnittliches erwachsenes Pferd atmet in Ruhe ungefähr zwölfmal pro Minute. Je kleiner ein Pferd ist, desto mehr Atemzüge braucht es, und bei einem Pony sind etwa 25 Atemzüge pro Minute völlig normal.

Temperatur oder Pollenflug können die Atemfrequenz verändern, und diese Einflüsse erkennst du nur mit vergleichbaren Werten. Miss deshalb am besten mehrmals und immer unter denselben Bedingungen.

Was verraten Atmungsbild und Atemgeräusche?

An der Art, wie dein Pferd atmet, und an den Geräuschen beim Atmen lässt sich einiges ablesen.

Was du siehst oder hörst Worauf die Beobachtung hindeuten kann
Nur der Bauch bewegt sich, die Rippen bleiben recht bewegungslos häufig eine akute Entzündung, bei der die Lunge schmerzt, oder eine verkrampfte Muskulatur zwischen den Rippen oder am Zwerchfell
Vor allem der Brustkorb bewegt sich, der Bauch kaum eher Bauchschmerzen
Rasselndes Geräusch Sekret, das sich in den Atemwegen löst
Pfeifendes Geräusch eine Verengung der Atemwege
Leises Rauschen eine Verkrampfung der Bronchien

Warum lohnt es sich, Symptome aufzuschreiben?

Schreib vierzehn Tage lang jeden Abend kurz auf, ob und wie oft dein Pferd gehustet hat, wie der Nasenausfluss aussah und ob die Atmung ruhig oder angestrengt war. Notier auch die Situation, also Ruhe, Antraben, nach der Arbeit, beim Fressen oder nachts.

Nach zwei Wochen hast du Daten statt Bauchgefühl, und vielleicht wunderst du dich, wie oft dein Eindruck vom Tag nicht zu deiner eigenen Liste passt.

Einen fertigen Bogen für die vierzehn Tage findest du im Atemwegs-Phasen-Check für dein Pferd.

Bauchatmung und Dampfrinne: Woran erkennst du Dämpfigkeit?

Dämpfigkeit erkennst du an einer pumpenden oder pressenden Atmung, bei der die Bauchmuskulatur beim Ausatmen deutlich mitarbeitet. Oft kommen Atemgeräusche, Husten und vor Anstrengung geblähte Nüstern hinzu. Dämpfigkeit ist der alte Name für schweres equines Asthma.

Bei einem gesunden Pferd kostet das Ausatmen kaum Kraft. Sind die kleinen Atemwege aber verengt, kann die Luft nicht mehr ungehindert entweichen, und das Pferd muss die Luft mit der Bauchmuskulatur herauspressen.

Besteht das Herauspressen über einen gewissen Zeitraum, formt die Bauchmuskulatur eine Wölbung, und die sichtbare Rinne entlang des Bauchs heißt Dampfrinne.

Die Bauchatmung beim Ausatmen ist übrigens etwas anderes als das Atmungsbild in der Tabelle oben, bei dem sich in Ruhe fast nur der Bauch bewegt.

Siehst du eine Dampfrinne oder eine deutlich mitarbeitende Bauchmuskulatur und atmet dein Pferd auch in Ruhe angestrengt, ist die Erkrankung schon weit fortgeschritten. Im schweren Stadium ist der Gasaustausch der Lunge massiv gestört, und der Zustand kann jederzeit lebensgefährlich werden.

Welche Symptome gehören zu welchem Stadium?

Im milden Stadium hustet dein Pferd vor allem beim Antraben, im schweren Stadium atmet dein Pferd auch in Ruhe schwer. Sandra unterscheidet fünf Stadien, grob lassen sich die Symptome drei Schweregraden zuordnen.

Schweregrad Typische Symptome
Mildes equines Asthma immer mal wieder Husten, vor allem beim Antraben, gelegentlich Nasenausfluss, Atmung in Ruhe unauffällig
Mittelschweres equines Asthma Hustenanfälle, schnellere oder schwerere Atmung, längeres Nachatmen nach Belastung
Schweres equines Asthma (früher Dämpfigkeit) angestrengte Atmung auch in Ruhe, Atemnot, anfallsartige Verschlechterungen, Dampfrinne

Wenn dein Pferd so nett ist, dir schon im milden Stadium Symptome zu zeigen, ist das eigentlich super, denn dann kannst du früh handeln, bevor langfristige Schäden entstehen.

Wie du dein Pferd richtig einordnest und warum sich viele eine Stufe zu früh einschätzen, liest du auf der Seite Equines Asthma: die fünf Stadien.

Wann solltest du mit deinem Pferd zum Tierarzt?

Zum Tierarzt gehört dein Pferd sofort, wenn es Atemnot hat, wenn Fieber oder Mattigkeit hinzukommen oder wenn du dir nicht sicher bist, woher eine veränderte Atmung kommt.

  • Atemnot: Hörst und siehst du, dass dein Pferd wirklich Probleme hat, Luft einzuatmen oder auszuatmen, kann eine Notfallmaßnahme nötig sein, und der Tierarzt ist sofort dein Ansprechpartner.
  • Hinweise auf eine Infektion: Fieber, Mattigkeit oder geschwollene Lymphknoten zusammen mit Husten oder Nasenausfluss brauchen eine tierärztliche Abklärung, auch damit sich andere Pferde nicht anstecken.
  • Unklare Ursache: Nicht jede veränderte Atmung kommt von der Lunge. Aus ihrer Arbeit kennt Sandra Fälle, in denen Atemgeräusche oder eine stark erhöhte Atemfrequenz eine ganz andere Ursache hatten, deshalb braucht es im Zweifel eine genaue Diagnostik.

Auch wenn keine der drei Situationen zutrifft, solltest du Symptome nicht monatelang laufen lassen. Sandras Faustregel lautet: Je länger ein Pferd unter Symptomen leidet, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass sich manche Bereiche der Atemwege nicht mehr komplett regenerieren.

Du musst nicht gleich in Panik verfallen, aber warte auch nicht zu lange. Die Checkliste auf dieser Seite ist eine Orientierung für dich und ersetzt keine Untersuchung durch deinen Tierarzt.

Symptome erkannt: Wie geht es weiter?

Erkennst du bei deinem Pferd Symptome von equinem Asthma wieder, ist der nächste Schritt eine ehrliche Einordnung, wie weit die Erkrankung schon gelaufen ist. Erst wenn klar ist, wo dein Pferd steht, lässt sich sagen, was im jetzigen Stadium sinnvoll ist und was nicht.

Schau dir an, wie eine Atemwegs-Reha aufgebaut ist →

Häufige Fragen

Kann ein Pferd equines Asthma haben, ohne zu husten?

Ja, nicht alle Pferde mit equinem Asthma husten. Manche Pferde zeigen vor allem Nasenausfluss oder eine erhöhte Atemfrequenz, deshalb lohnt es sich, neben dem Husten auch Nasenausfluss und Atmung zu beobachten und aufzuschreiben.

Warum hustet mein Pferd ohne Schleim?

Bei equinem Asthma bilden die Drüsen in den Atemwegen oft mehr Schleim als normal, es gibt aber auch trockene Verläufe. Und sitzt das Sekret ganz fest, hört man manchmal gar kein Rasseln. Ein trockener Husten heißt also nicht, dass alles in Ordnung ist.

Ist Husten beim Antraben normal?

Gelegentlicher Husten beim Antraben gehört zu den ersten Symptomen von equinem Asthma und ist kein Zustand, an den du dich gewöhnen musst. In der frühen Phase kannst du noch handeln, bevor langfristige Schäden entstehen.

Welche Symptome zeigen Pferde mit Atemnot?

Pferde mit Atemnot atmen pumpend oder pressend, oft mit geblähten Nüstern, hörbaren Atemgeräuschen und einer Bauchmuskulatur, die beim Ausatmen deutlich mitarbeitet. Teilweise verschlechtert sich die Atmung anfallsartig. Atemnot kann lebensgefährlich werden, deshalb ist bei Atemnot sofort der Tierarzt gefragt.

Was bedeutet dämpfig?

Dämpfig ist der alte Ausdruck für ein Pferd mit schwerem equinem Asthma. Heute ersetzt der Begriff equines Asthma auch die früheren Abkürzungen IAD, RAO, COPD und COB. Mehr zu den Grundlagen des Krankheitsbilds findest du auf der Seite Equines Asthma beim Pferd.

Wie alt kann ein Pferd mit equinem Asthma werden?

Die Aussichten hängen stark davon ab, ob die Faktoren, die für dein Pferd eine Rolle spielen, gefunden und ausreichend angepasst werden. Eine ausführliche und ehrliche Antwort gibt Sandra auf der Seite zur Lebenserwartung bei equinem Asthma.

Wer steht hinter dieser Checkliste?

Dr. Sandra Löckener ist promovierte Biologin und Expertin für Pferdegesundheit. Sandra hat an einer veterinärmedizinischen Fakultät geforscht, arbeitet seit über zwanzig Jahren mit atemwegserkrankten Pferden und hat über 800 Pferde begleitet.

Im Erstgespräch klären Sandra und ihr Team unter anderem zwei Fragen: Was zeigt uns das Atmungsbild? Und was ist im jetzigen Stadium sinnvoll und was nicht?

Erfahre, wie Sandra mit atemwegserkrankten Pferden arbeitet →

Weitere spannende Artikel